Jüdische Märchen – Schattentheater

Im Rahmen des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland konnte ich 2021 in Kooperation mit der LAG Figurentheater NRW e.V. sowie einer Grundschule in Bochum dieses mehrmonatige Schattentheaterprojekt durchführen. Dem theaterpädagogischen Angebot lagen zwei zentrale Anliegen zu Grunde: Zum einen hat das Projekt das Ziel verfolgt, Kinder bereits in jungem Alter mit der jüdischen Kultur in Kontakt zu bringen. Dabei wurden die SchülerInnen behutsam auch an die konflikt- und gewaltbehaftete deutsch-jüdischen Geschichte herangeführt. Das zweite zentrale Projektanliegen war, Kindern das Figurentheater als künstlerisches Ausdrucksmittel zu erschließen. Dazu habe ich in diesem Workshop den Schwerpunkt auf das Schattentheater gelegt. Jüdische Märchen bildeten die Arbeitsbasis für diesen zweiten Projektfokus.

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Schattentheater "Der Prozess mit dem Wind": König Salomon steht in seinem Palast in Jerusalem.

Figurentheater als Antisemitismusprävention

Theaterpädagogische Arbeit im Stadtentwicklungsgebiet

Für das Projekt wurde eine Grundschule aus einem der Bochumer Stadtentwicklungsgebiete ausgewählt. Die Schule liegt im Osten der Stadt, im Stadtteil Werne. Das Gebiet ist ein sozialer Brennpunkt. Viele EinwohnerInnen verfügen über eher geringe Bildungsabschlüsse, ein niedriges Arbeitseinkommen oder sind auf Sozialhilfe angewiesen. Viele haben einen Migrationshintergrund und einige verfügen nur über geringe Sprachkenntnisse. Der religiöse Hintergrund der Menschen liegt zumeist im Christentum oder im Islam. Einige fühlen sich keiner Religion zugehörig. Kontakte zur jüdischen Kultur haben die wenigsten Menschen in diesem Teil von Bochum. Das spiegelte auch die Gruppe der am Projekt beteiligten Kinder wieder. Von den rund 75 am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schülern aus drei vierten Klassen hatte nur ein Kind durch ein jüdisches Elternteil einen Bezug zur jüdischen Kultur.

Durch die Auswahl der Schule sollte gerade sozial benachteiligten Kindern die Chance gegeben werden, im Projekt mit einer Kultur in Berührung zu kommen, der sie in ihrem Alltag nicht begegnen. Die Einbindung des Projektes in den Regelunterricht stellte sicher, alle Kinder – und nicht nur diejenigen mit bereits vorhandenem Interesse an der jüdischen Kultur oder am Figurentheater – zu erreichen. 

Durch die Anbindung an den Schulunterricht konnte das Theaterprojekt Kinder in ihrem Alltag abholen. Es hat ihnen früh die Möglichkeit eröffnet, Kontakte zur jüdischen Kultur zu knüpfen. Auf diese Weise hat das Projekt versucht Vorurteilen vorzubeugen und einen wichtigen Beitrag zur Antisemitismusprävention geleistet.